Sunday, 7. november 2010 7 07 /11 /Nov. /2010 20:51

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Man hat seitens der medizinischen Forschung bisher wenig davon gehört, aber es ist unverkennbar: Eine neue geheimnisvolle Augenkrankheit ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Über möchliche Erreger und langfristige Konsequenzen lässt sich noch nichts sagen, aber man kann die Symptome immerhin beschreiben: Die Krankheit unterwirft ihre Opfer dem Zwang, Sonnenbrillen zu tragen, egal wo und wann. Selbst in dunklen Räumen (Diskos z.B.), selbst in Situationen, wo es auf eine maximale Bewegungsfreiheit ankommt (100m Endlauf bei den Olympischen Spielen). Medizinsoziologen haben herausgefunden, dass Männer dieser Krankheit eher zum Opfer fallen als Frauen, Dunkelhäutige eher als Weiße (aber dies ist nur eine Tendenz, siehe Heino), und Sänger und Kurzstreckensprinter eher als Sparkassenangestellte und 10.000 m-Läufer. Merkwürdigerweise geht in vielen Fällen das Tragen einer Sonnenbrille mit dem multipler Goldkettchen einher.

 

Nachdem die französische Regierung unter Präsident Sarkozy vorgeschlagen hat, das Tragen der Burkah zu verbieten, nicht zuletzt deshalb, weil man sein Gegenüber nicht mehr erkennen kann und man sich vor einem gesichtslosen, von einem Vorhang umhülten Etwas zu befinden scheint, sollte man nun darüber nachdenken, im Fernsehen keine Sänger, Schauspieler oder sonstigen "Show-Biz" Persönlichkeiten mehr zu interviewen, die zwar gerne ihre jüngste CD vermarkten wollen, aber nicht einmal dafür bereit sind, uns in ihre Augen schauen zu lassen.

 

Handelt es sich vielleicht gar nicht um eine Schwäche der Sehkraft, sondern eher der psychischen Kraft der Betroffenen? Befürchten sie, so uninteressant zu sein, dass sie sich durch ihr Versteckspiel attraktiver machen müssen? Haben sie etwas zu verbergen und handeln dann wie die Kinder, die ihre Hände vor die Augen halten und rufen: Ich bin gar nicht da! ? Oder wollen sie eine Rolle spielen, die ihnen ohne Sonnenschutz keiner abnehmen würde: den harten Burschen, der sich vor der Polizei verbergen muss, oder die Berühmtheit, die ohne Sichtschutz nicht mal zum Einkaufen gehen kann?

 

Vielleicht hat aber das permanente Tragen von Sonnenbrillen auch einen Vorteil: Wer mich nicht sieht, wird die Tendenz haben, mich sich so vorstellen, wie er mich gerne hätte. Was kann ich mir mehr wünschen? Irgendwo in einer Schublade muss doch noch die Sonnenbrille sein, die ich mir vor fünf Jahren einmal gekauft habe...

von Blackcross
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Monday, 22. december 2008 1 22 /12 /Dez. /2008 18:36
Vor kurzem sah ich bei einem Kollegen einen Reiseführer mit dem merkwürdigen Titel "100 places to go before you die". Dann fand ich auch Buchtitel wie "100 things you should eat before you die" oder "100 things to do before you die". Was sollte man denn tun, bevor man stirbt? Endlich einmal seinem Chef die Meinung sagen? Mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen? Seine Sünden seiner Frau beichten - oder vielleicht besser dem lieben Gott ? - das ist einfacher.

Nein - man soll, so die Autoren, an irgendwelche exotischen Plätze dieses Planeten fahren, um mit Eskimos Schlitten zu fahren oder mit Indianern im Amazonas fischen zu gehen. Abgesehen davon, dass die Realisierung dieses Planes für die meisten Menschen soviel Zeit des Sparens erfordern würde, dass sie garantiert schon vor Erreichung des zehnten Ziels das Zeitliche segnen würden, beunruhigt etwas ganz Anderes:

Was macht man eigentlich, nachdem man die 100 Plätze abgegrast hat? Logischerweise nur Eines: sterben. "Neapel sehen und sterben", heißt die klassische Redewendung. Allerdings ist der ursprünglich italienische Satz auch übersetzbar: Neapel sehen und dann Muori. "Muori" heißt nicht nur "sterben", sondern ist auch der Name eines kleinen Ortes ganz in der Nähe von Neapel. Mir ging es ganz ähnlich mit einer anderen Stadt: "EINMAL im Leben New York sehen", dachte ich mir, die Stadt, die ich so gut aus dem Fernsehen kannte, dass ich sogar ihre Polizeisirenen und Telefonklingeln von allen anderen auf der Welt unterscheiden konnte, in der ich aber noch nie wirklich gewesen war. Und es WAR ein wirklich großes Erlebnis. Nach 10 Tagen flog ich nach Frankfurt zurück, hatte aber statt dem Wunsch nun zu sterben einen ganz anderen: New York noch einmal zu besuchen!

Einer der Autoren des oben genannten Buches ist im Jahre 2008 im Alter von 47 Jahren gestorben - nicht von Piranhas zerfetzt oder in einer Gletscherspalte im Himalaja erfroren, sondern im eigenen Haus unglücklich gefallen - ganz banal. Wie viele der 100 Plätze er selbst besucht hat, weiß ich nicht, ebensowenig, ob er nicht vielleicht noch ein paar andere Dinge vor seinem Tod gerne getan hätte. Nun wäre es falsch auf ihn mit dem Finger zu zeigen: WIR ALLE gehören zu den Gehetzten dieser Zeit, die sich unersättlich mit Überschallgeschwindigkeit von einem Ort zum anderen begeben, einer entlegener und exotischer als der andere - und die dennoch immer das Gefühl haben, etwas versäumt zu haben, die immer noch einen Platz auf ihrer Liste haben, hinter dem noch kein Häkchen steht.

Gibt es eine Alternative zu diesem stressigen Nomadismus, den wir uns selbst auferlegt haben, zu diesem perma-nenten Lebenshunger, der umso größer wird, je mehr wir konsumieren? Ob es diesen anderen Weg heute gibt, weiß ich nicht, zumindest gab es ihn und er ist uns auch heute noch vorstellbar: Von Abraham, der vor 3500 Jahren gelebt haben mag, heißt es, "er starb in einem guten  Alter, als er alt und lebenssatt war" (Gen 25, 8). 
von Blackcross
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Tuesday, 9. september 2008 2 09 /09 /Sept. /2008 18:30

Seit über einem Jahr arbeite und lebe ich in der Haupstadt eines Landes, das zu den ärmsten der Welt gehört, dem Niger. Bettler gibt es zuhauf und an bestimmten Kreuzungen oder vor manchen Supermärkten stehen sie dutzendweise und halten die Hand auf  oder strecken einem ihre Schüssel entgegen: "Patron, patron! Cadeau, cadeau!" (Geschenk) Oder sie bitten in der lokalen Sprache und dann ist das Wort Allah das einzige, das ich verstehe.

Es gibt alle Arten von Bettlern: Männer und Frauen, Jungen und (viel weniger) Mädchen, alte und junge, gesunde und behinderte. Eine Gruppe sind Jungens im schulpflichtigen Alter, von vielleicht 10 oder 12 Jahren. Es sind oft Talibé, Koranschüler, die von ihrem Lehrer zum Betteln geschickt werden, vor allem um ihn selbst zu ernähren. Die meisten anderen Bettler sind krank oder behindert: Einarmige, Rollstuhlfahrer, Bettler mit furchterregend angeschwollenen Beinen und Füssen (Elefantiasis) und natürlich die Blinden, die meist von einem kleinen Jungen oder Mädchen geführt werden. Teilweise sind die Bettler in Gruppen organisiert. Ihr Auftreten ist geschickt kalku-liert, jeder verfolgt eine Art eigene Geschäftsstrategie. Kleine Kinder, die einen Blinden führen, bringen mehr als ein erwachsener Führer, kleine Mädchen mit blinden Frauen mehr als ein männliches Tandem etc.

Mich nerven die Bettler. Warum?  Weil sie einfach nur BETTELN. Mich nerven auch die Hunderte Jungen, die einem ständig, wo man geht und steht, Telefonkarten unter die Nase halten oder die an der roten Ampel blitzschnell die Windschutzscheibe putzen, auch wenn die gerade vorher vom Fahrer blank gewienert worden ist, aber immerhin: Die TUN wenigstens was. Ich brauche keine Telefonkarten und keine Autowäsche, aber die Logik meiner eigenen Gesellschaft  ist hier im Prinzip  noch erhalten: Leistung gegen Geld. Das Provozierende der Bettler ist, das sie Geld erbitten - für nichts! Das heißt nicht, dass sie keiner anstregenden Tätigkeit nachgehen: Einen Tag lang an einer stickig-stinkigen Kreuzung zu stehen, zwischen den Autos herumzuturnen und die Hand auszustrecken ist körperlich sicherlich anstrengender als meine Bürotätigkeit. Dennoch: Sie bieten mir nichts an.  Nicht einmal etwas, das ich gar nicht will. Sie sagen nicht einmal Danke schön, wenn man ihnen etwas gibt.

Nun gibt es viele Strategien mit Bettlern umzugehen. Die einen haben "ihre" Bettler: Nur ihnen, die sie angeblich "gut kennen" und von denen sie wissen, dass es ihnen "wirklich" schlecht geht, geben sie etwas. Andere geben nur Frauen und Mädchen ein paar Münzen, nie Männern, die angeblich nicht mit Geld umgehen können. Manche Nigrer werfen manchmal, wie nachlässig, Kleingeld aus dem Autofenster, das die Bettler sich dann von der Erde auflesen. Ich gebe gar nichts, sage mir aber, dass ich immer fleißig gute Trinkgelder gebe, dem Mann an der Tankstelle, der Bedienung im Restaurant und dem Parkwächter. Was ich in Deutschland nur äußerst selten tue. 

Es gibt natürlich tausende von vernünftigen und wohl überlegten Argumenten gegen eine milde Gabe: Es ist sowieso nur ein Tropfen auf den heißen Stein/ das ist letztlich doch eine POLITISCHE FRAGE und nicht die individuellen Verhaltens/ man ermutigt die Kinder ja geradezu hier auf der Straße herumzulungern, statt in die Schule zu gehen/ je besser es den Bettlern geht, desto mehr werden sie, man vergrößert das Problem also, statt es zu lösen und überhaupt: Warum tut eigentlich der STAAT nichts?

Manchmal gebe ich doch etwas. Ich muss mich regelrecht überwinden. Nicht um ein guten Gewissen zu haben. Das bekomme ich dadurch nicht. Nein, es ist eher ein kleiner Akt des Widerstands gegen die über-rationale Leistung-Geld Logik meiner eigenen Gesellschaft, von der ich mich trotz tausender Kilometer Entfernung doch nicht lösen kann. Ein winziger Moment Anarchismus.  

von Blackcross
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Monday, 1. september 2008 1 01 /09 /Sept. /2008 17:01
Überall wird betrogen: Ich rede nicht von gefälschten Schecks oder manipulierten Kreditkarten. Sondern von schönen Bildern, die wir alle so lieben. Bei den Olypmpischen Spielen wurde betrogen, dass sich die Balken  bogen. Nein, nicht nur die gedopten Sportler und ihre Trainer/ Ärzte/ Apotheker/ Dealer stehen hier im Kreuzfeuer der Kritik, sondern die Veranstalter der Spiele selbst. Feuerwerk, das nur zum Teil wirklich in der Luft explodiert, zum anderen Teil durch Computerbilder vorgegaukelt wird, ein kleines singendes Mädchen, das gar nicht singt, ein sauberer Himmel über Peking, der nur für drei Wochen sauber ist usw. Wenn die Chinesen auch Meister dieser Manipulationen sind, sind sie bei weitem nicht die einzigen: Nun las man in der Zeitung, dass schon bei den Olympischen Spielen 2000 in Sidney ein Orchester spielte, das gar nicht spielte...

Woher weiß ich, dass Herr Phelps wirklich achtmal gewonnen hat, vielleicht ist er nur durch virtuelle Wellen gepflügt? Und wer sagt mir, dass die Geher wirklich 50 km gehen? Und dass die Hammerwerfer wirklich eine schwere Eisenkugel werfen? Aber: EGAL, so genau wollen wir es doch gar nicht wissen. Die Bilder sind schön, die Musik (vom Band) ist schön, das kleine Mädchen, das "singt", ist süß, DAS wollen wir sehen. Wenn schon nicht in Wirklichkeit, so wenigstens auf der Mattscheibe. Und das wird uns geliefert von Leuten, die ihre Sache verstehen und unseren Geschmack auch. Das also, was wir neudeutsch eine "Win-win Situation" nennen. Die einen gewinnen Geld, die anderen ein schönes Gefühl zu Hause im Sessel. Keiner hat hier das Recht sich zu beklagen.

Ach ja, ich habe ganz vergessen: NEIN, der Rock auf dem Foto ist NICHT durchsichtig!! Alles nur Schein, ja, OK, "SCHÖNER Schein". 
von Blackcross
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Friday, 22. august 2008 5 22 /08 /Aug. /2008 15:49


Die Olympischen Spiele sind nun zu Ende - was bleibt ist die nie enden wollende, nervtötende Diskussion: Wer war gedopt, wer (noch) nicht? Der Jamaikaner, der schon vor dem Ziel einen Gang zurücklegt und dennoch Welt-rekord läuft? Die russischen Geherinnen? Die chinesischen Turnerinnen, die in ein paar Wochen um Jahre altern? Das deutsche Turnierpferd (sic!)? Oder sind das alles Gerüchte, die in die Welt gesetzt wurden von Leuten, die nicht verlieren können? Vom Internationalen Olympischen Komitee kann man auf jeden Fall keine Aufklärung erwarten, die Herren handeln nach dem Motto: Nur keinen Ärger, wir könnten ja ein paar hundertausend Dollar weniger verdienen!

Dann lasst uns doch ehrlich mit der Sache umgehen: Gebt das Doping frei. Jeder soll nehmen, was ihm gefällt: Tabletten, Spritzen, "Hustensaft" (wie vor wenigen Jahren Jens Ulrich) oder "Zahnpasta" (wie einst Langstrecken-läufer Baumann). Die Vorteile liegen doch auf der Hand: Man spart sich die Mühe und das Geld für die Dopingkontrollen und man findet leicht neue Sponsoren, zum Beispiel die Pharmaindustrie, den Apothekerverband diverse Rehabilitationskliniken und die Privatsender. Die Ausgangsbedingungen sind garantiert alle gleich (den Sportlern aus den Entwicklungsländern kann man eine finanzielle "Spritze" zum Kauf von Dopingmitteln zugestehen). Jeder kann in die Tüte mit den Bonbons greifen, und wer es nicht tut, hat gleich verloren. Den Marathonläufern würde man am Straßenrand nicht mehr nur Energiedrinks reichen, sondern auch was Buntes zum Schlucken und den Radfahrern könnte man vom Begleitfahrzeug aus eine Spritze in den Allerwertesten rammen, das geht ganz schnell.

Und schließlich:  Ein wissenschaftliches Institut hat festgestellt, dass - zumindest in der Leichtathletik - die Sportler in ein paar Jahren an unüberwindbare Grenzen kommen, die mit den Eigenheiten des menschlichen Körpers gegeben sind. Schneller als 9,67 Sekunden KANN ein Mensch einfach die 100 Meter nicht laufen...glauben sie. Nun, das wird man ja sehen. 
von Blackcross
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Sunday, 20. july 2008 7 20 /07 /Juli /2008 21:48


                                                                            Wer ist der, mit dem ich gerade chatte? Oder die mir gerade eine IM geschickt hat? Ist er/sie jung oder alt? Dick oder dünn? Reich oder arm? Wer weiß das schon? Ich am anderen Ende der Leitung weiß es jedenfalls NICHT.
Ganz am Anfang jeder Erfahrung mit der Kommunikation im Internet steht die Erkenntnis: Trauen kannst du nie-mandem. Der schlanke Sportler kann sich als Fettwanst entpuppen und der BMW-Fahrer als Schwarzfahrer in der Straßenbahn. Über diese Unehrlichkeit kann man sich ärgern und sollte dann schleunigst aus der Internetkom-munikation aussteigen. Ich habe allerdings nie verstanden, warum man sich über diese kleinen Schwindeleien aufregen kann oder warum viele Zeitge-nossen Sherlock Holmes spielen und Fakes "überführen" wollen?
Lasst uns das alles doch lieber als ein tolles Spiel betrachten: Jeder kann endlich einmal in die Rolle schlüpfen, die er schon immer spielen wollte, dazu aber im realen Leben nie die Chance bekommen wird. Ein Avatar ist, so habe ich gelernt, eben der Stellvertreter, nicht das realistische Abbild, einer Person. So kann denn der Stellvertreter eines schüchternen Bürschchens im Netz ein Macho sein, der einer pummeligen Verkäuferin die schlanke Latina, oder der eines Mannes - eine Frau. Wenn ich meinen Gesprächspartnern im Netz schon nicht glaube, so kann ich doch so tun, als ob. Damit ist ihm/ihr und mir gedient. Wir beiden nehmen mal an.... und kommen beide auf unsere Kosten.....solange  wir im Internet bleiben!

von Blackcross
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