Man hat seitens der medizinischen Forschung bisher wenig davon gehört, aber es ist unverkennbar: Eine neue geheimnisvolle Augenkrankheit ist unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Über möchliche Erreger und langfristige Konsequenzen lässt sich noch nichts sagen, aber man kann die Symptome immerhin beschreiben: Die Krankheit unterwirft ihre Opfer dem Zwang, Sonnenbrillen zu tragen, egal wo und wann. Selbst in dunklen Räumen (Diskos z.B.), selbst in Situationen, wo es auf eine maximale Bewegungsfreiheit ankommt (100m Endlauf bei den Olympischen Spielen). Medizinsoziologen haben herausgefunden, dass Männer dieser Krankheit eher zum Opfer fallen als Frauen, Dunkelhäutige eher als Weiße (aber dies ist nur eine Tendenz, siehe Heino), und Sänger und Kurzstreckensprinter eher als Sparkassenangestellte und 10.000 m-Läufer. Merkwürdigerweise geht in vielen Fällen das Tragen einer Sonnenbrille mit dem multipler Goldkettchen einher.
Nachdem die französische Regierung unter Präsident Sarkozy vorgeschlagen hat, das Tragen der Burkah zu verbieten, nicht zuletzt deshalb, weil man sein Gegenüber nicht mehr erkennen kann und man sich vor einem gesichtslosen, von einem Vorhang umhülten Etwas zu befinden scheint, sollte man nun darüber nachdenken, im Fernsehen keine Sänger, Schauspieler oder sonstigen "Show-Biz" Persönlichkeiten mehr zu interviewen, die zwar gerne ihre jüngste CD vermarkten wollen, aber nicht einmal dafür bereit sind, uns in ihre Augen schauen zu lassen.
Handelt es sich vielleicht gar nicht um eine Schwäche der Sehkraft, sondern eher der psychischen Kraft der Betroffenen? Befürchten sie, so uninteressant zu sein, dass sie sich durch ihr Versteckspiel attraktiver machen müssen? Haben sie etwas zu verbergen und handeln dann wie die Kinder, die ihre Hände vor die Augen halten und rufen: Ich bin gar nicht da! ? Oder wollen sie eine Rolle spielen, die ihnen ohne Sonnenschutz keiner abnehmen würde: den harten Burschen, der sich vor der Polizei verbergen muss, oder die Berühmtheit, die ohne Sichtschutz nicht mal zum Einkaufen gehen kann?
Vielleicht hat aber das permanente Tragen von Sonnenbrillen auch einen Vorteil: Wer mich nicht sieht, wird die Tendenz haben, mich sich so vorstellen, wie er mich gerne hätte. Was kann ich mir mehr wünschen? Irgendwo in einer Schublade muss doch noch die Sonnenbrille sein, die ich mir vor fünf Jahren einmal gekauft habe...
Vor kurzem sah ich bei einem Kollegen einen Reiseführer mit dem merkwürdigen
Titel "100 places to go before you die". Dann fand ich auch Buchtitel wie "100 things you should eat before you die" oder "100 things to do before you die". Was sollte man denn tun,
bevor man stirbt? Endlich einmal seinem Chef die Meinung sagen? Mehr Zeit mit seinen Kindern verbringen? Seine Sünden seiner Frau beichten - oder vielleicht besser dem lieben Gott ? - das ist
einfacher.
Seit über einem Jahr arbeite und lebe ich in der
Haupstadt eines Landes, das zu den ärmsten der Welt gehört, dem Niger. Bettler gibt es zuhauf und an bestimmten Kreuzungen oder vor manchen Supermärkten stehen sie dutzendweise und halten
die Hand auf oder strecken einem ihre Schüssel entgegen: "Patron, patron! Cadeau, cadeau!" (Geschenk) Oder sie bitten in der lokalen Sprache und dann ist das Wort Allah das
einzige, das ich verstehe.
Überall wird betrogen: Ich rede nicht von gefälschten
Schecks oder manipulierten Kreditkarten. Sondern von schönen Bildern, die wir alle so lieben. Bei den Olypmpischen Spielen wurde betrogen, dass sich die Balken bogen. Nein, nicht nur die
gedopten Sportler und ihre Trainer/ Ärzte/ Apotheker/ Dealer stehen hier im Kreuzfeuer der Kritik, sondern die Veranstalter der Spiele selbst. Feuerwerk, das nur zum Teil wirklich in der Luft
explodiert, zum anderen Teil durch Computerbilder vorgegaukelt wird, ein kleines singendes Mädchen, das gar nicht singt, ein sauberer Himmel über Peking, der nur für drei Wochen sauber ist
usw. Wenn die Chinesen auch Meister dieser Manipulationen sind, sind sie bei weitem nicht die einzigen: Nun las man in der Zeitung, dass schon bei den Olympischen Spielen 2000 in Sidney ein
Orchester spielte, das gar nicht spielte...